Brillante Präsenz
Von Peter Eltermann
Esslingen - Die Junge Süddeutsche Philharmonie eröffnete im gut besuchten Neckar Forum die neue Saison der Esslinger Meisterkonzerte. Einmal mehr boten die Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Andreas Kraft ein Konzert, mit dem sie ihrem Ruf als herausragendes Orchester mehr als gerecht wurden. Als Gastsolisten hatte man den Cellisten Nicolas Altstaedt eingeladen.
Die als Rondo angelegte Komposition „Die Moldau“ aus dem bekann-ten Zyklus „Mein Vaterland“ von Bedrich Smetana erklang zum Auftakt des Meisterkonzertes. Dieses Werk, das in Teilen fast schon in der Gefahr steht, zum Allerwelts-Ohrwurm zu werden, wurde von Andreas Kraft mit feinem musikalischen Gespür kunstsinnig modelliert. Heraus kam eine klanglich ausgewogene, in keinem Moment langweilig dahinplätschernde „Moldau“. Der Dirigent verstand es, der Komposition Licht und Wärme einzuhauchen. Und sein Orchester, das sich aus Laien und professionellen Musikern zusammensetzt, folgte seiner Leitung bereitwillig. „Mir ist es wichtig, dass zwischen den Musikern und mir eine persönliche, vertrauensvolle Beziehung entsteht. Das ist uns gelungen und so kann ich das Ensemble auch zu Höchstleistungen anfeuern“, erklärt Kraft. Seine permanente Arbeit mit den „Jungen Süddeutschen“ trägt hörbar ihre Früchte. Klangliche Reinheit, gut aufeinander abgestimmte Instrumentengruppen und eine sich immer wieder organisch entwickelnde Dynamik sind die Qualitäten dieses Orchesters.
Solist verzaubert das Publikum
Mit Nicolas Altstaedt am Violoncello trat ein mit internationalen Preisen überhäufter Solist auf, der den Konzertsaal nahezu vom ersten Bogenstrich an verzauberte. Tschaikowskijs „Variationen über ein Rokoko-Thema für Violoncello und Orchester A-Dur“ sind sicher eines der Standard-Werke für Cellisten, ermöglichen sie es doch dem Künstler, eine breite Palette seines Könnens zu demonstrieren. Und genau das gelang Altstaedt in Perfektion. Mit seinem seelenvollen Spiel rührte der erst 26-jährige Künstler die Zuhörer zutiefst. Vor allem in den Piano- und Pianissimo-Passagen faszinierte er mit brillanter Präsenz und anrührendem Schönklang. Nicolas Altstaedt gerät fast ins Schwärmen, wenn er über die Komposition redet: „Das Stück verlangt vom Solisten viel Kontrolle, es ist so etwas wie eine Konzentrationsaufgabe. Dabei bietet es aber auch immer wieder Freiraum für Spontaneität.“ Schostakowitsch hat mit seiner Sinfonie Nr. 10 in e-Moll ein Werk geschrieben, das vor allem durch seinen klanglichen Farbenreichtum besticht. Bravourös gemeisterte solistische Einwürfe aus dem Orchester und eine exakt und sensibel agierende Perkussionsgruppe bestimmten den Reiz des Vortrags der Jungen Süddeutschen Philharmonie, die diese Komposition zum Abschluss des abendfüllenden Programms meisterhaft gestaltete.
Esslinger Zeitung, 30.9.2008
